Die Marmorbrüche von Carrara in Italien
Am 23. November 2023 hatten wir das Vergnügen, die Tiefen des Marmorgebirges zu erkunden, die Apuanischen Alpen, die reich an Marmorvorkommen sind.
So konnten wir den komplexen Prozess des Abbaus von Carrara-Marmor beobachten.
Eigenschaften und Vorzüge des Carrara-Marmors
Der Carrara-Marmor ist weltweit für seine hochwertige Qualität und seine Schönheit bekannt. Er blickt auf eine zwei Jahrtausende alte Geschichte zurück und seine Verwendung durch berühmte Künstler machten ihn zu einem Symbol für Eleganz und Raffinesse in der Welt der Kunst und Architektur. Carrara-Marmor ist widerstandsfähig und lässt sich präzise bearbeiten. Er stellt daher eine erstklassige Wahl für bedeutende, sowohl klassische als auch zeitgenössische Werke der Bildhauerkunst und der Architektur dar. Unter dem Oberbegriff Carrara-Marmor werden verschiedene Marmorarten zusammengefasst, darunter Bianco di Carrara, Statuario und Calacatta.
Die Marmor-Bergwerke: ein unterirdisches Wunderwerk
Unsere Reise begann am frühen Morgen mit einer Führung durch ein unterirdisches Wunderwerk: die „Cava n. 84 – Galleria Ravaccione“. Hier verbrachte Michelangelo drei Jahre seines Lebens mit der Suche nach dem perfekten Block, aus dem er die Pietà meißeln wollte.
Der Zugang zum Steinbruch erfolgte durch eine Reihe von Tunneln, die ursprünglich für die „Marmifera“ gegraben wurden, einen Zug, der vor Jahrzehnten zum Transport der Marmorblöcke diente. Drinnen angekommen, bot sich uns ein großartiges Schauspiel: Wir waren vollständig von lebendigem Marmor umgeben, unter den Füßen, an den Wänden und über uns! Der Fremdenführer klärte uns über das einzigartige Abbauverfahren in den Stollen auf.


Verfahren zum Abbau des Carrara-Marmors
Die gängigste Methode für den Abbau des Carrara-Marmors ist das Schneiden mit Diamantdraht, das in den 1970er Jahren eingeführt wurde. Bei dieser Methode wird ein diamantbeschichteter Stahldraht verwendet, der aufgrund seiner Härte präzisere Schnitte ermöglicht. Andere, weniger verbreitete Methoden sind Kettensägen, kontinuierliche Bohrung, Scheiben- und Wasserstrahl-Schneidemaschinen.

Im Laufe der Zeit erlebte die Tätigkeit der Steinbrucharbeiter*innen zahlreiche Veränderungen, vor allem aufgrund der Technologien, die die Arbeit weniger anstrengend und sicherer machten. Doch trotz der neuen Technologien bleibt das Gefühl der Einsamkeit bestehen: In den Tiefen der Stollen spüren die Steinbrucharbeiter*innen in ihrer Abgeschiedenheit von der Außenwelt stark die Verbindung mit dem Berg. In diesem Umfeld unternehmen sie einen einsamen Tanz der Fantasie, finden Formen und Muster im Stein um sie herum und machen ihre Arbeit zu einer wahren Kunst.

Ein Marmorsteinbruch über Tage
Mit Hilfe der Geländewagen fuhren wir gegen Mittag zur „Cava n. 155 – Alvise Lazzareschi“ hinauf, einem mehr als 800 m hoch gelegenen Steinbruch über Tage.
Dabei bot sich uns ein atemberaubendes Panorama: Die Sonne erfüllte den Marmor noch immer mit ihrer Wärme und hob das glänzende, spiegelnde Weiß hervor. Von dort oben konnten wir die Stadt Colonnata bewundern, die in der ganzen Welt für ein anderes einzigartiges Produkt bekannt ist, den „Lardo di Colonnata“ (fetter Speck), der seine Köstlichkeit ebenfalls dem Marmor verdankt: Nach der Zubereitung, die mit Salz und Gewürzen erfolgt, muss dieser Speck nämlich mindestens sechs Monate in großen Behältern, den so genannten „Conche“, reifen, die eben aus Carrara-Marmor gefertigt sind.



Aus dieser Perspektive konnten wir die Aufteilung des Steinbruchs in horizontale Schichten oder Bänke beobachten und in Begleitung des Besitzers des Steinbruchs, Alvise Lazzareschi, die Vorgänge der vertikalen und horizontalen Bohrungen mit eigenen Augen sehen. Die sorgfältige Trennung eines kolossalen Marmorblocks verdeutlichte das Ausmaß des Vorgangs.

Der beschwerliche Weg des Marmors: von italienischen Steinbrüchen zu Designprodukten
Vom Abbau bis zur Endverpackung unserer Designprodukte ist der Weg der Marmorverarbeitung mühsam und komplex. Das Gewicht eines einzelnen Blocks, die Komplexität der Gewinnung und die notwendige Achtung vor dem Material während der gesamten Produktionskette sind Aspekte, die unbedingt zu berücksichtigen sind. Unter diesem Gesichtspunkt wird kein einziges Bruchstück des Marmors weggeworfen, und so finden auch die Nebenprodukte einen Verwendungszweck: Dank seiner natürlichen Zusammensetzung wird der Carrara-Marmor (Kalziumkarbonat) für überraschende Anwendungen genutzt, darunter auch für Zahnpasta!
Ein besonderer Dank gilt den Veranstaltern der Marmotour Michelangelo und Alvise Lazzareschi für ihre Professionalität und ihr Engagement, die unsere Reise zu den Marmorbrüchen von Carrara zu einem unvergesslichen Erlebnis machten.



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